Zentraler Zahlungsverkehr und Payment Factory: Aktueller denn je
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Zentraler Zahlungsverkehr und Payment Factory: Aktueller denn je

Der Verband Deutscher Treasurer e.V. (VDT) hat am 18. Februar 2021 die Ergebnisse seiner Umfrage zum Thema „Zentralisierung im internationalen Zahlungsverkehr“ vorgestellt. Nachdem im Sommer 2014 zuletzt eine Veranstaltung die Möglichkeiten der Zahlungs­verkehrsoptimierung eingehend analysiert und vorgestellt hatte, hat sich im Umfeld eine Menge verändert.

SEPA ist in Deutschland anerkannt und wird bald auch grenzüberschreitende Zahlungen abdecken. Eine „größere Version“ der XML-basierten und ISO20022-konformen CGI-Formate sorgen für mehr Standardisierung bei internationalen Transaktionen. Instant Payments und gpi-Zahlungen beschleunigen den Überweisungsprozess, Request to Pay löst vielleicht bald die Lastschriften ab und virtuelle Konten erleichtern die zentrale Zahlungsausführung für Tochtergesellschaften.

Ein Rücklauf von mehr als 200 Antworten zeigte deutlich, dass das Interesse an der Verbesserung der Zahlungsabläufe ungebrochen ist. Allerdings haben sich die Zielvorstellungen geändert:

Spielte in der Vergangenheit neben der Effizienzsteigerung durch Automatisierung die Reduktion der Zahlungsverkehrskosten eine bedeutende Rolle, so ist heute die Erhöhung Sicherheit an die zweite Stelle gerückt.

Den Grund liefern die zahlreichen neuen Technologien, die mit dem Umstieg der Bankkommunikation auf das Internet (z.B. EBICS in Deutschland), die normierte Methode zur Erstellung von XML-basierten Zahlungsdateien (ISO 20022), leistungsfähigere Soft- und Hardware sowie Übertragungskanälen, entstanden sind.

Mit den neuen Technologien sind auch neue Risiken entstanden, insbesondere die „Fake-President“ – Betrugsmasche hat vielen Unternehmen bereits hohe ungewollte Kapitalabflüsse beschert. Schad-Software, die die gesamte Systemlandschaft blockiert und die Gefahr, Gelder an Scheinfirmen oder gelistete Personen zu überweisen, in den Verdacht der Geldwäsche zu geraten oder Embargos zu verletzen verlangen wirksame Sicherheits­vorkehrungen. Auch das Risiko der innerbetrieblichen Manipulation ist durch Vier-Augen-Prinzip, Zwei-Faktor-Authentifikation, Verschlüsselungen etc. auf ein Minimum zu reduzieren.

Die sukzessive Öffnung des SWIFT-Netzwerks, ergänzt durch zahlreiche Zusatzdienst­leistungen von SWIFT Service Bureaus machen die Welt im Zahlungsverkehr jedoch zunehmend einfacher und weniger differenziert. Die Kosten und teilweise auch der Einführungsaufwand werden moderater, so dass die Zentralisierung des Zahlungsverkehrs immer häufiger auch von mittel­ständischen Unternehmen ins Auge gefasst wird. Mehr Transparenz durch Einbezug weiterer Gesellschaften und höhere Sicherheit bei gleichzeitiger Effizienzsteigerung sind auch hier die maßgeblichen Treiber.

Typischerweise werden zunächst die Zahlungsverkehrssysteme in Deutschland zentralisiert. Dann konzentriert man sich auf die Länder, die direkt oder indirekt per EBICS bedient werden können und schließlich werden unter Einbezug des SWIFT-Netzwerks oder eines globalen Großbanken-Netzes die übrigen Niederlassungen betrachtet. Der letzte Sprung ist meist der schwierigste und viele stellen schnell fest, dass auch CGI-Formate nicht immer und auch nicht immer in gleicher Form genutzt werden können.

Organisatorisch fällt es sehr großen Unternehmen leichter, Shared Services Center an verschiedenen Orten aufzubauen, während kleinere anfangen, „Treasury as a Service“ in Anspruch zu nehmen, wenn Sie z.B. über kein ausreichendes Personal oder Knowhow im Finanz­bereich verfügen.

Das Streben nach einem global einsetzbaren Zahlungsverkehrsformat durch die Common Global Implementation (CGI) Initiative wird von Banken und Nichtbanken befürwortet, da die neuen XML-Dateien genügend Felder für alle nationalen Anforderungen bieten und dennoch maschinell gegen Embargo-, Antiterror- und sonstige „Black Lists“ abgeprüft werden können.

Neue Technologien und Lösungen beflügeln das Interesse an der Zahlungsverkehrs­optimierung zusätzlich. Künstliche Intelligenz kann z.B. eher Ausreißer zwischen ausgehenden Zahlungen erkennen und Betrugsversuchen wie z.B. dem „Fake-President-Angriff“ vorbeugen. Die Verwendung virtueller Konten für einzelne Legal Entities erleichtern die Abwicklung von „payments on behalf of“. Application Programming Interfaces (API) erlauben eine bessere Anbindung von Anwendungen an die Hausbank, z.B. zur Abwicklung von Instant Payments und Electronic Bank Account Management (eBAM). Leider sind die API aber bisher nicht standardisiert und unterscheiden sich von bank zu Bank.

Die neuen XML-basierten Dateiformate, Bankkommunikation via Internet, neue Lösungen der Kreditinstitute, Softwarehersteller und Zahlungsverkehrs-Diensteanbieter machen das Thema „Zentralisierung des Zahlungsverkehrs interessanter denn je. Dennoch gilt wie in den Anfängen:

  • Beginnen Sie mit einer Standortbestimmung und definieren Sie Ihre Ausgangssituation und Anforderungen genau
  • Prüfen Sie die technischen/steuerlichen/rechtlichen Möglichkeiten
  • Kalkulieren Sie die Wirtschaftlichkeit des Vorhabens
  • Planen Sie ausreichend Zeit und Ressourcen ein
  • Setzen Sie Prioritäten

Denn auch heute gelten noch nicht alle Standards gleichermaßen, oft liegt der Teufel im Detail und sorgt für unverhältnismäßig hohe Aufwände.

Trinity unterstützt den Verband Deutscher Treasurer e.V. seit vielen Jahren als Fördermitglied. Christoph Budde ist seit 17 Jahren Verbands-Mitglied und arbeitet aktiv im Fachressort Cash & Liquidity mit.